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Vorbild 130 let sklářské lokálky*

von vozmistr · 21. Januar 2020 · ·
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Schlagworte:
  1. 130 Jahre Glasmacher-Lokalbahn*
    *Es handelt sich hierbei um einen Spitznamen, bei dem eine sinnvolle Übersetzung schwierig ist.

    18.06.2016
    Festanlass
    Steinschönau (Kamenický Šenov) erhielt ausgehend von Böhmisch Kamnitz (Česká Kamenice) 1886 Bahnanschluss durch die Böhmische Nordbahn (BNB). Die Lokalbahn Böhmisch Leipa-Steinschönau stellte 1903 die weiterführende, topografisch anspruchsvolle Verbindung über die Passhöhe in den Bezirkshauptort her. Die Gesamtstrecke ging im Verlauf 1919 durch Verstaatlichung an die ČSD über. 1979 wurde der spärliche Reiseverkehr eingestellt sowie die Passstrecke von Kamenický Šenov bis Česká Lípa (Böhmisch Leipa) stillgelegt und abgebaut. Die Reststrecke zwischen Česká Kamenice und Kamenický Šenov wurde bis 1992 im Güterverkehr (hauptsächlich Glasindustrie) bedient. Heute gehört die 4,5 km lange Strecke der Firma KŽC doprava, die bislang einen kurzen saisonalen Museumsbahnverkehr sowie Fahrten an Einzelterminen durchgeführt hat. Seit diesem Jahr befindet sie sich als touristische Ausflugsstrecke T1 des Verkehrsverbundes DÚK (Doprava Ústeckého kraje) zwischen April und Oktober mit einem historischen Triebwagen im regelmäßigen Wochenend- und Feiertagsbetrieb.

    Der KŽC (Klub železničních cestovatelů) würdigt das Jubiläum der Strecke mit einem artreinen 9-Wagen-Schnellzug im Stile der 1980er-Jahre im Zulauf von Praha nach Česká Kamenice, 10 verstärkten Lokalzugpaaren nach Kamenický Šenov und einem Bahnhofsfest im Glasmacher-Ort. Die tschechische Bahn ČD lässt aus diesem Anlass alle Regelpersonenzüge zwischen Děčín und Rumburk mit lokbespannten historischen Garnituren verkehren - viel zu entdecken also. Auf der Anreise stoppe ich zunächst in Benešov nad Ploučnicí (Bensen). Rechtzeitig eingetroffen, schaue ich mich zunächst um. Der ungünstige Lichtstand und ein parkender Sattelzug stören das Eisenbahn-Idyll. Ich gehe auf eine Anhöhe an der Bahnhofsausfahrt und beschließe von dort aus einen Fotoversuch auf den Schnellzug zu unternehmen. Nach und nach tauchen im Bahnhofsgelände von Fachportalen und Webseiten bekannte Fotografen, Filmer und Experten auf und laufen hektisch und unschlüssig umher. Die Automobile der Zugverfolger werden dabei teilweise rücksichtlos abgestellt, um eine rasche Weiterfahrt zu ermöglichen. Zwei deutsche Eisenbahnfreunde, eine Trittleiter und zwei Tschechen bevölkern im Verlauf „meinen Logenplatz“. Etwas verspätet und gut besetzt, erscheint der erwartete Zug. Die stilechte Garnitur aus Bautzener Schnellzugwagen begeistert mich. Mit einem Stakkato von lauten Auspuffschlägen beschleunigen die Dieselloks den schweren Zug aus dem Bahnhof heraus und die Fotokarawane hastet weiter. Ich lasse es gemütlich angehen und fahre nach Kytlice (Kittlitz). Am Ende einer Wiese haben sich hier zahlreiche Eisenbahnfreunde postiert, um den nächsten bergfahrenden Personenzug aufzunehmen. Ich überquere eine Feuchtwiese, erklimme eine Anhöhe und postiere mich außerhalb des Bildbereiches für den Talfahrer. Zwei deutsche Fans und ein tschechischer Nachwuchsfotograf leisten mir später Gesellschaft. Der Zug ist leicht verspätet, fährt aber in bestem Licht vorbei. Wolken bestimmen zunehmend das Geschehen. Den wenige Minuten später folgenden Bergfahrer nehme vom anderen Ende der Anhöhe aus auf. Eine just bei der Vorbeifahrt des Zuges die Sonne verdeckende „Fotowolke“ trübt die Qualität etwas. Nun begebe ich mich zur eigentlichen Wandertour.

    Wanderung
    Ich parke in Horní Kamenice (Ober Kamnitz) auf einem kleinen Parkplatz. Vorbei am Sandsteinfelsen Hrnčíř (Töpferstein) laufe ich hinter dem Gelände der einstigen Papierfabrik entlang. In wandere durch die Ortslage Dolní Prysk (Nieder Preschkau) zum Gipfel des Stráž (Hutberg/Mühlberg). Mittlerweile ist es gewitterhaft und erstes Donnergrollen ist vernehmbar. Wieder abgestiegen, laufe ich hinauf zum Festgelände Kamenický Šenov nádraží (Steinschönau - Bahnhof). Einige Oldtimer sind hier zu besichtigen, es gibt Stände von vier Kleinbrauereien und die lokale Damenwelt ist schwer mit Einkaufstüten und Schuhkartons bepackt, da man nach einer Modenschau das Gezeigte wohl gleich kaufen konnte. Musik spielt aus dem Lautsprecher. Nun ertönt offenbar eine heimliche Hymne, da Jung und Alt aus voller Kehle mitsingen. Ich rette mich ins Bahnhofsgebäude und erwerbe beim KŽC-Stand das avisierte Buch zum Festanlass. Wieder draußen, kommt es zum Auftritt einer Cheerleader-Gruppe. Auf der anderen Stirnseite des Bahnhofsgebäudes ist ein Militärcamp errichtet und wird von Darstellern in historischen Uniformen besetzt. Ich sehe einen Rotarmisten, ein paar Tschechen und der große Rest will böser Deutscher sein - niemand nimmt daran Anstoß. Ich blicke prüfend zum Himmel und auf die Uhr und beschließe dem nächsten Zug über den Wanderweg entgegenzulaufen. Es donnert links, es donnert rechts und erste Tropfen fallen. Der Zug ist verspätet und es wird dunkler. Momentan scheint gerade noch die Sonne. Beim Auftauchen des Zuges nicht mehr so richtig, sie wird vom Rand der Gewitterzelle verdeckt. Auf dem Rückweg nach Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) beschleunige ich meine Schritte. Ich erreiche den Parkplatz in Horní Kamenice, bis auf den Schweiß, mit trockener Haut. Fünf Minuten später herrscht Weltuntergang und die himmlischen Schleusen sind geöffnet.

    Die geniale Zusammenfassung des Tages in bewegten Bildern von: MPHvideoLBC.

    Wanderstrecke:
    Horní Kamenice > Dolní Prysk > Stráž > Kamenický Šenov nádraží > Česká Kamenice > Horní Kamenice (11 km)
    Ausführlicher Wanderbericht:
    https://www.hikr.org


    IMG_2292-Benesov-n-P-CSD-Personenzug-Regelverkehr.JPG

    Bild 1: Benešov nad Ploučnicí (Bensen), historischer ČSD-Personenzug im Regelverkehr


    IMG_2293-CSD-Packwagen-Dsd.JPG

    Bild 2: ČSD-Packwagen Dsd mit Zugführerkanzel (Bj. 1948-51 Královopolská strojírna)


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    Bild 3: ČSD-Personenwagen Bai (Bj. 1952-58 Vagónka Tatra Smíchov)


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    Bild 4: ČSD-Schnellzug mit T 478.1010 und T 478.1215 ("Bardotka") und 9 Bautzener Schnellzugwagen (Sonderzug R 10040)


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    Bild 5: Schnellzugkreuzung (R 1170/R 1163 von/nach Liberec) im jetzigen Regelverkehr (Reihe 843 + Bdtn)


    IMG_2304-Kytlice-Personenzug-Regelverkehr.JPG

    Bild 6: Kytlice (Kittlitz), historischer ČSD-Personenzug mit T 478.3001 ("Brejlovec") und Bai-Wagen im Regelverkehr, talfahrend


    IMG_2308-Kytlice-Personenzug-Regelverkehr.JPG

    Bild 7: Kytlice, historischer ČSD-Personenzug mit T 478.3101 und Bai-Wagen im Regelverkehr, bergfahrend


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    Bild 8: Karosa ŠL 11 Turist (Bj. 1970-81)


    IMG_2338-CSD-Lokalbahnzug.JPG

    Bild 9: Verstärkter historischer ČSD-Lokalbahnzug (M131.1 + Bix + M262.1)


    IMG_2340-CSD-Lokalbahnzug.JPG

    Bild 10: Verstärkter historischer ČSD-Lokalbahnzug (M131.1 + Bix + M262.1)


    IMG_2341-Lokalbahnzug.JPG

    Bild 11: Bergfahrender Lokalbahnzug


    IMG_2343-Gewitter.JPG


    Bild 12: Gewitter
    PaL, dufti99, Murten und 11 anderen gefällt das.

Kommentare

  1. hm-tt
    Glasmacher-Lokalbahn trifft schon ganz gut, zumal mitunter Übersetzungen aus dem Tschechischen (wie auch aus anderen Sprachen) nicht so einfach sind. Bestes Beispiel ist das "Šukafon", ein Spitzname des 810er. Da wird es ganz schnell nicht mehr jugendfrei. "Brotbüchse" ist dagegen deutsch, kennt in Tschechien eher kaum jemand.
    Mit der KŽC verbinden mich eher unangenehme Dinge, die auf der Kamenické lokalky passierten. Der ursprüngliche Verein wurde dort "rausgekickt". Viele Eisenbahnvereine im gelobten Land rümpfen da eher die Nase. Dennoch, die Fotos sind schön.

    Helge
      Bandi 60 gefällt das.
    1. Per
      Beim "Wagenmeister" ist das umgekehrt ;)
  2. vozmistr
    Über was sollten da viele Eisenbahnvereine die Nase rümpfen? Neid und Missgunst sind doch typisch deutsche Errungenschaften. Der Tscheche zuckt mit den Schultern und ist anschließend pragmatisch und lösungsorientiert.
    Und genau so habe ich den Wechsel auch wahrgenommen. Eine engagierte finanzstärkere Firma hat beim Verkauf der Infrastruktur einen ebenso engagierten aber finanzschwächeren Verein überboten und den Zuschlag bekommen. Der alte Verein wurde daraufhin aufgelöst und die an der Strecke wirklich interessierten Mitglieder haben beim neuen Besitzer Betätigungsmöglichkeiten gefunden. Lediglich die Altmetallsammler mussten sich einen neuen Spielplatz suchen.
    Beim Altverein zu glauben, man könne bis zum Ende seiner Tage auf fremder Infrastruktur für fast lau Eisenbahn spielen, ist schon reichlich naiv gewesen.
      V180-Oli gefällt das.
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