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Die Babelsberger V180/V200/V240 Familie

Aus der DV 931, Teilheft 62, Baureihe 118.0 bis 118.1 von 1977:
Abschnitt 2.3.4. Strömungsgetriebe,
L 306 rb.
Wandler I max. 62 km/h,
Wandler II max. 100 km/h,
Wandler III max. 120 km/h.

Die Schaltpunkte sollten also etwas darunter liegen. Mehr steht leider nich drinne.

Edit:
Ha, stehen doch drinne.
Schaltpunkte bei Vollast:
118.0 - 53 bis 66km/h und 89 bis 100 km/h.
118.1 - 52 bis 59km/h und 91 bis 106 km/h.
… also hatte die 118er damit nur drei „Schaltstufen“? 🤔
 
Nein, die DDR-Industrie zeigte nur, was sie leisten kann und für entsprechendes Geld liefern könnte. Gebraucht wurden die V180 in den gebauten Varianten, auch noch zusätzlich eine 3000 PS - Lok in Massen zu bauen war schlicht weg jenseits der Möglichkeiten der DDR-Industrie. Technisch hätten sie es gekonnt, aber die Produktionskapazität war schlicht weg nicht vorhanden.
Meine Sichtweise zur V 180 kommt aus nicht Eisenbahnliteraturquellen. Die V 180 entstand in der Zeit von Produkten mit „Weltniveau“ und der Prüfstein war der Export dieser Diesellok. Diese Aufgabe konnte nicht erfüllt werden. An Stelle von Dieselloks stellte man die Produktion in Babelsberg auf Klimatechnik um, da man diese exportieren konnte. Die Lok war kein Tauschgut im RGW und auch nicht woanders in der Welt absetzbar. (Im RGW wurde nur Warenaus“tausch“ betrieben)

Dazu kam, dass der große Bruder ab 1963 Erdöl in die DDR sandte. Dazu „fragte“ Moskau in Ost-Berlin nach, ob nicht auch ein Industriegut wie eine Diesellok ein guter Tauschartikel sei? Der große Bruder exportierte auch gleich einen Verbraucher für das Erdöl.

Der Ausbau der Lokomotivfabriken in der SU muss wohl so groß ausgefallen sein, dass händeringend nach Absatz gesucht wurde. Es gibt wohl die Geschichte, dass Herr Kramer aus Moskau zurückkam und nun den großen Import von sowjetischer Großtechnik anpries. (Er war vorher dagegen)

Eine unbestätigte These ist weiterhin, dass im Falle einer militärischen Ost-West Auseinandersetzung wohl der große Bruder einheitliche Dieselloks gefordert hätte. Ob der Gardist der Roten Armee mit der V 180 gefahren wäre?

Sicher sind auch die Kapazitäten in Babelsberg nicht unendlich gewesen. Die Gründe für den „Abbruch“ der Produktion sind vielfältig. Ich denke, die vielen V 120 mussten damals vom Hof und es war eine handelspolitische Entscheidung-Erdöl gab es damals im Überfluss und billig.

Das war ein kurzer Ausflug und soll nur eine Ergänzung sein.

Johannes
 
@Johannes
Sieh dir mal die historische Situation dazu an. Nach dem Krieg hatte die Reichsbahn einen Haufen Dampflokschrott und sonst gar nichts. Mit dem Reko-Programm gelang es die vorhanden veralteten Dampfloks zu modernisieren. Eloks gab es so gut wie keine, die wenigen vorhandenen fuhren erst mal gen Osten und kamen erst später wieder. Die zerstörte Industrie musste erst mal wieder aufgebaut werden und bei den wenigen Neubauten setzte man erst mal auf die bewährte Dampflok.
Bis Ende der 1950er Jahre träumte man zumindest in der DDR noch immer von einer Wiedervereinigung, wie auch immer die aussehen sollte. Man druckte Autoatlanten mit Ortsdurchfahrten nicht nur für Berlin, Dresden und Erfurt, sondern auch mit Frankfurt/Main, Hamburg und München. Als Zeuke moderne Spielzeuge liefern sollte, setzte er die V200 der DB um, weil die DR noch gar keine Diesellok hatte.
Nach 1961 war die Teilung Deutschlands für jeden auch äußerlich sichtbar und die DR brauchte zeitgemäße Ablösungen der ollen Länderbahnloks und eine Ergänzung zu den Einheitsloks. Dies führte zur V100/BR 110 in der 1000-PS-Klasse für Nebenstrecken und zur V180/BR 118 in der 2000-PS-Klasse für Hauptstrecken.
Während die BRD den Verkehr anfing auf die Straße zu verlagern und somit den Nebenbahnen erst des Güterverkehrs beraubte und später auch den Personenverkehr einstellte, musste die DDR mangels verfügbarer LKW und mangelnder Infrastruktur den Verkehr auf der Schiene intensivieren. Das führte zum Bedarf von 2000-PS-Loks auf Nebenstrecken und führte zur sechsachsigen BR 118, die den gestiegenen Verkehr auf Nebenstrecken bedienen konnte, den es bei der DB nicht gab.
Da die DDR-Industrie mangels Kapazitäten in den 1960er Jahren nicht dazu in der Lage war, Bahnkraftwerke zu bauen, setzte die DR auf die Dieselloks, währen die DB fleißig Strecken elektrifizierte.
Das Transportvolumen stieg aber und die DR brauchte nun Loks der 3000-PS-Klasse. Dafür waren in der DDR aber keine Produktionskapazitäten mehr vorhanden. Die Industrie war mit den Loks der 1000-PS-Klasse und der 2000-PS-Klasse an ihrer Produktionsgrenze angekommen. Neue Werke mit erweiterten Produktionskapazitäten waren außerhalb des Realisierbaren.
Diesel war hingegen billig und die DDR hatte (immer) einen Aushandelsüberschuss mit der Sowjetunion, die bereitwillig ihre Schulden mit 3000-PS-Dieselloks kompensieren wollte. Die Ölkriese war noch nicht eingetreten und die DDR musste dringend die alten Dampfloks loswerden, denn die verbrauchten Unmengen an Braunkohle, für die sie eigentlich gar nicht ausgelegt waren und die gar lange verschliessen waren. Deren Pflegeaufwand war auch der DR inzwischen zu hoch.
Die V300/BR 120 waren zwar ungewohnte dieselelektrische Loks, waren aber solide konstruiert und als zuverlässig bekannt (einen Ruf, den sie auch bei der DR bestätigten). Es war für alle Seiten einen Win-Win-Situation. Die DR bekam die dringend benötigten 3000-PS-Dieselloks für den schweren Güterverkehr und die Sowjetunion hatte endlich ein Industrieprodukt gefunden, dass man der DDR in großer Stückzahl verkaufen konnte. Die kleine DDR war der größte Außenhandelspartner der UdSSR und die hatte, wie alle anderen RGW-Staaten, immer Probleme ihre Rechnungen mit in der DDR gebrauchten Industrie- oder Konsumgütern gegenzufinazieren.
 
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