Hallo, am bekannten Verladepunkt der Harzhochbahn konnte auch ein ganz seltenes Stück bildlich festgehalten werden. Dazu wieder ein Zitat aus: „DIE HARZHOCHBAHN der Mansfelder – Staats- Eisenbahn MSE“, kurzer Abriss der Geschichte, Verlag Putaverunt, Wolkenkuckucksheim, 2017, Seite 83:
„Gern wurde die Harzhochbahn für Probefahrten neuer Bahnerzeugnisse genutzt. In den Jahren 1968/69 erprobte die Lok- und Versuchsanstalt Halle die neue dieselelektrische Lokomotive V 127. Es handelte sich um Prototypen einer vorrangig für den Export ins westliche Ausland vorgesehenen Serie[1]. Die Loks wurden bei LEW hergestellt. Der neu entwickelte Motor war ein KVD, alle elektrischen Komponenten und die Steuerung wurden durch Siemens zugeliefert. Dies war eine Forderung des Initiators der Entwicklung, der Finnischen Staatsbahn VR. Als Besonderheit sei angemerkt, dass die Formgestaltung an der Burg Giebichenstein erfolgte. Das Modell gewann den Designpreis der DDR. All dies wurde (noch relativ bescheiden in Szene gesetzt) an den Seitenwänden der Lokomotive vermerkt. Getestet wurde außerdem der weinrote Anstrich des Lokkastens mit cremefarbener Bauchbinde und silberfarbenem Dach, wie er auch für die V 300 (BR 130ff.) vorgesehen war.“
Das Modell ist die Delta-Rail-Variante der ER20 Herkules von PIKO, die mit relativ wenig Aufwand (nur die Nummernschilder und ein paar Anschriften und Signets kamen dazu) in die Zeit meiner Harzhochbahn zurückversetzt wurde. Sie erhielt eine farbliche Behandlung mit Panel-Liner, Trockenmalen der Kanten und einem seidenmatten Lack und ganz wenig Staub. Der Kühlwagen zeigt nur eine schwache Alterung. Quarz- und Selbstentladewagen hatte ich schon mal auf der Werkbank gezeigt und beschrieben.
[1] Die finnische Staatsbahn suchte für Ihre Strecken eine dieselelektrische Lok, hergestellt von verlässlichen Partnern. Die LEW hatten sich bereits international einen Namen gemacht, und politisch war von finnischer Seite ein Zugehen auf potentielle Partner hinter dem Eisernen Vorhang beabsichtigt. Die Elektrotechnik sollte allerdings von Siemens hergestellt werden. Daher wurde Siemens als Zulieferer von LEW unter Vertrag genommen, das später mögliche Firmenkonstrukt eines Joint Venture konnte damals noch nicht initiiert werden. Die Loks wurden mit Universal-Drehgestellen ausgestattet, die ohne große Umbauten von finnischer Breitspur auf kontinentale Normalspur umgerüstet werden konnten. Die LEW erhofften sich Exportaufträge nicht nur von Finnland. Für die Erprobung erhielten die Prototypen einen Reichsbahnanstrich. Der Traum der DR, eine Serie dieser sich bewährenden Loks zu erhalten, erfüllte sich nicht. Die elektrische Ausrüstung musste mittels Devisen eingekauft werden, und dies rentierte sich nur, wenn der Exportkunde die Loks in frei konvertierbarer Währung bezahlte. Diese Art von technischer Kooperation wurde auch seitens der Bundesrepublik beargwöhnt, sodass für die DDR genehmere Tauschgeschäfte mit Siemens nicht zustande kamen. Daher erhielt die DR letztendlich in Serie die V 300/Br 130/31/32 aus der Sowjetunion, für die keine Valute aufgebracht werden mussten. Siehe dazu auch (rein fiktiv) : Tieasema, Rauta; „Die Baureihe V 127/Dr15 – Entwicklung, Technik und Einsatz bei der Finnischen Staatsbahn“, EK-Verlag, Freiburg, 2002