Weil ich noch ein paar ESP32Cam Module übrig hatte, noch eine weitere Spielerei, um die Anlage auch vom Wohnzimmer aus im Hobbyraum mit Rocrail steuern und dabei das Fahren der Züge beobachten zu können
Anstelle des Tablets läuft eine mit ChatGPT in QT programmierte App auf meinem Laptop. Rocrail läuft auf einem alten, für die Modellbahn genutzten Laptop im Hobbyraum und wird remote auf meinem Laptop angezeigt. Mit der QT App kann ich die schon weiter oben beschriebenen Kameras im Schattenbahnhof anzeigen. Um zusätzlich auch die Bahnhöfe im sichtbaren Teil der Anlage via Kamera zu sehen, habe ich zwei weitere ESP32Cam Module auf der Anlage versteckt und in diese Software eingebunden.
Der Wasserturm eignet sich wunderbar zum Verstecken der zusätzlichen Kameras, weil von dort aus beide Bahnhöfe zu sehen sind und sich die Kameras nahezu unsichtbar einbauen lassen. Die WLAN-Stabantennen stecken im unteren Teil des Turms und die zwei Kameramodule finden im oberen Teil Platz. Die beiden OV3660 Module mit 68 bzw. 80 Grad Blickwinkel lassen sich so hinter den Fenstern verstecken, dass fast keine Abschattungen durch die Fensterrahmen entstehen. Von außen sind die Kameramodule nur bei bestimmten Blickwinkeln sichtbar, eigentlich nur durch die Reflexion des Lichts auf der Optik.
Mal abseits der Kamera-Spielereien ein paar Anmerkungen zur Steuerung meiner Anlage mit Rocrail. Ich nutze Rocrail jetzt seit ca. 5 Jahren. Die Entscheidung für Rocrail kam damals im Wesentlichen daher, weil mir mehrere 100 Euro für eine Modellbahnsoftware einfach viel zu teuer waren. Der Einarbeitungsaufwand in Rocrail ist sicherlich relativ hoch (keine Ahnung, wie das im Vergleich dazu bei anderer Software ist). Wenn man das Konzept dahinter erst einmal verstanden hat, ist es aber nicht so schwer, die Software zu konfigurieren und die Anlage damit zu steuern. Das Rocrail-Forum sowie einige Videos auf Youtube, insbesondere die Tutorials von
Winfried Lengert, waren da eine sehr große Hilfe.
Auf meiner Anlage gibt es in jedem der Blöcke mindestens drei Rückmelder:
- Gleisbesetztmelder über die gesamte Blocklänge, in Rocrail als Enter-Melder konfiguriert (Modul von Digikeys sowie Eigenbauten)
- je ein Reflexkoppler auf beiden Seiten des Blocks als IN-Melder (leicht modifizierter Nachbau von OpenDCC mit angepasster Software und GP 2S700HCP anstelle des CNY70, weil dieser Reflexkoppler kaum sichtbar zwischen 2 Schwellen passt).
Im Schattenbahnhof gibt es z.T. auch noch weitere Melder, die ich aber nur dazu nutze, um bei manueller Steuerung via ECoS die Position der Züge genauer zu erkennen. Das zentrierte Anhalten kurzer Züge mit Rocrail funktioniert nach dem Einmessen sehr gut mit Rocrails BBT-Funktion, weshalb Short-In Melder für kurze Züge eigentlich unnötig sind.
Zu Beginn lief Rocrail auf einem alten Netbook von Aldi unter Windows 7. Alle Loks wurden eingemessen, um mit BBT im Block zu bremsen und bei kurzen Zügen (z.B. Ferkeltaxe) auch zentriert im Bahnhof halten zu können. Dabei war der Haltepunkt aber z.T. sehr ungenau. Das hatte ich damals auf das langsame, alte Aldi-Netbook geschoben. Beim Test mit meinem "richtigen", halbwegs aktuellen Laptop war das punktgenaue Bremsen aber auch nicht wirklich genauer. Gefühlt war die Halteposition immer sehr stark davon abhängig, was Windows sonst noch so nebenbei gemacht hat. Ich hatte dann testweise mal Linux installiert und das Rocrail-Projekt dort ausgeführt. BBT aller Loks musste ich daraufhin noch einmal neu einmessen, weil die Haltepunkte deutlich "daneben lagen" (im Gegensatz zu Windows aber immer reproduzierbar an der gleichen Stelle "daneben"). Nach dem erneuten Einmessen war der Anhaltepunkt im Block sowohl auf meinem aktuellen Laptop als auch auf dem alten Aldi-Netbook immer auf wenige Millimeter genau. Ich würde deshalb jedem, der Rocrail einsetzt, immer dazu raten, den Rocrail Server auf einem Linux-Rechner auszuführen. Nach meinen Erfahrungen funktioniert Rocrail unter Linux deutlich zuverlässiger als unter Windows, insbesondere wenn der genutzte Laptop oder PC schon etwas älter ist.
Die drei Blöcke zwischen Schattenbahnhof und den beiden Bahnhöfen (BK006 und die beiden anderen im Plan senkrecht eingezeichneten Blöcke rechts) sind eigentlich nur dazu da, um bei der Ein- und Ausfahrt in/aus dem Tunnel Aktionen ausführen zu können. Deshalb wurden die meisten Fahrstraßen manuell angelegt und diese Blöcke als kreuzende Blöcke eingebunden.
Mit Rocrail Unterstützungsschlüssel bekommt man auch Zugriff auf xml-Scripte. Diese eignen sich gut, um weitere Aktionen zu automatisieren. Wenn man die Funktionstasten (z.B. Horn und Fader) bei allen Loks in Rocrail gleich benennt, kann man aus Scripten oder Aktionen heraus die Funktionen über deren Namen ausführen. Dadurch ist es für die Automatik egal, auf welcher Funktionstaste die jeweilige Funktion liegt. Rocrail-Aktionen schalten dann z.B. bei Einfahrt in den Tunnel den Fader ein und bei der Ausfahrt wieder aus, damit die im Schattenbahnhof abgestellten Züge keinen Krach machen. Auch das Signalhorn vor der Einfahrt in den Tunnel oder am Bahnübergang wird über solche Aktionen gesteuert. Verknüpft mit ein paar über Schalter im Plan umschaltbarer Variablen lassen sich diese Automatiken oder insgesamt alle Geräusche der Loks auch einfach global für alle durch die Automatik gesteuerten Züge aus- oder einschalten.
xml-Scripte nutze ich auch in Kombination mit Fahrplänen, um die Zugzielanzeiger im Bahnhof umzuschalten. Weiterhin steuere ich mit xml-Scripten auch die beiden kurzen Züge (Kö, BR101) zwischen Schattenbahnhof und Ladestraße, sodass diese sich gegenseitig starten können (Einfahrt des einen der beiden Züge startet jeweils den Fahrplan des anderen Zugs). Prinzipiell könnte man darüber anstelle des zufälligen Automatik-Modes auch einen komplett von Fahrplänen abhängigen Betrieb erzeugen.
Letztendlich hat sich bei mir, nachdem baulich nicht mehr so viel auf der Anlage gemacht werden kann, ohne dafür Teile abzureißen (erweitern geht aus Platzfgründen leider nicht), der Focus deutlich auf Elektronik und Software verschoben. Dafür ist Rocrail ein bestens geeignetes "Spielzeug".