Mir ist es heute tatsächlich gelungen, meinen Anhang in den Industriesalon Schöneweide zu locken. Leider wurden wir bereits am Eingang darüber informiert, daß die Hälfte der Ausstellung bereits abgebaut worden sei. Das war unersprießlich; wer abbaut, sollte nicht zur verlängerten Ausstellung einladen. Schließlich war noch nicht mal der reguläre Ausstellungszeitraum abgelaufen.
Zum Glück war das, was noch da war, durchaus sehenswert und informativ. Mir ist wieder einmal aufgefallen, welchen Charme die 60 Jahre alten Zeuke-Modelle heute noch aufweisen und daß die Qualität in Konstruktion und Fertigung den Vergleich mit etlichen heutigen Herstellern nicht zu scheuen braucht. Wunderschön anzuschauen ist auch das liebevoll gestaltete Werbematerial jener Zeit. Welche Kunstwerke die Gebrauchsgrafik seinerzeit hervorbrachte, nicht zuletzt in der Verpackungsgestaltung. Man hatte offenbar noch Ideen, brüllte keine dumpfen Slogans in die Welt, sondern erzählte mit einem Bild eine Geschichte, weckte Neugier und Spielfreude und benötigte dazu keine reißerischen Superlative.
Manches geht freilich schon ein bißchen durcheinander. So sollte ein Standbetreuer bei der kleinen Spielanlage für Kinder nicht behaupten, sie sei aus den 60er Jahren, wenn BTTB-Innenbogenweichen und Geländematten darauf verbaut sind. Daß die Zeuke & Wegwerth KG nie in einem Plattenbau produziert hat, sollte sich inzwischen auch herumgesprochen haben.
Zudem finde ich es immer etwas schade, wenn mit so viel Liebe und Mühe ehrenamtlich über Jahre so eine Sammlung zusammengetragen wird und dann sich niemand das Stündchen Zeit nimmt, die Beitexte zu den Exponaten gegenzulesen und ggf. zu korrigieren. Acht Rechtschreib- und Grammatikfehler auf neun Zeilen wie bei der Erläuterung zu dem abgebildeten Baureihe-23-Set müssen doch wirklich nicht sein.
Manchmal endet das dann aber auch mit einem Schmunzeln: „Die DDR-Regierung sah in der Modellbahn einen wichtigen Exportartikel, vor allem für den Auslandshandel.“ Wie haben wir seinerzeit über George Dabbelju Bush gelacht: „Der größte Teil unserer Importe kommt aus dem Ausland.“
Trotz alledem: Es war den Besuch und eine kleine Spende wert. Am schönsten fand ich eine Szene an der erwähnten Spielanlage. Ein junger Vater und sein Vierjähriger. Der Vater sprach mit dem Kind ausschließlich Englisch, der Junge antwortete stets auf deutsch. Nur als der Vater unerlaubt das rasante Tempo der V36 reduzieren wollte, sprach der Junge Klartext und fegte Daddys Hand mit einem beherzten „It’s my turn!“ vom Fahrregler.