In diesem konkreten Fall interpretiert Ihr das beide falsch. Zittau Süd ist betrieblich nicht mehr örtlich besetzt, sondern Ausbildungsbahnhof der Hochschule Zittau/Görlitz. Das Lehrstellwerk funktioniert zwar prinzipiell, als wäre noch alles in Betrieb, man greift aber nicht in den Bahnbetrieb ein. Daher sind auch die funktionsfähigen Einfahrsignale mit einem Ungültigkeitskreuz versehen. An der gezeigten Weiche befindet sich in der Tat ein mechanischer Weichenantrieb, er ist aber nicht mit der Weiche verbunden. Er dient lediglich der Verdeutlichung der Funktion. In der ersten Ausbaustufe des Lehrstellwerks befand er sich übrigens weitab der Weiche, näher am Stellwerk.
Die beiden verbliebenen Weichen (4 und 14) in Zittau Süd sind im aktuellen Zustand lediglich ortsbedient ("Handweichen"), vor Ort gesichert mittels Riegelhandschloß.
Die Weichen 4 und 14 wurden im Altzustand vom Stellwerk aus fernbedient und jeweils in beiden Stellungen mittels Zungenriegel gesichert. Durch Einbau von Zungenprüfern konnten die separaten Riegel entfallen.
Je ein Doppelstellerriegelhebel für beide Stellungen der Weichen 4 und 14 sowie ein einfacher Riegelhebel für die Plus-Stellung der Weiche 1 (nicht mehr existent) sind auf der Hebelbank noch vorhanden (siehe Anhang, die Hebel mit den römischen Ziffern I bis V) und wieder in die sicherungstechnischen Abhängigkeiten gebracht worden.
Die Verriegelung einer ortsgestellten Weiche kann durchaus Sinn ergeben. Die Doppeldrahtzugleitung für einen Zungenriegel darf länger sein als die für eine Weiche. Eine für die Fernbedienung zu weit vom Stellwerk entfernte Weiche kann u. U. aber von jenem Stellwerk aus geriegelt werden, wie das in Zittau Süd der Fall war. Weiche 1 befand sich am km 2,340. Über deren Minusstellung (abzweigend) gelangte man zum "Kohlenbahnhof", einer vorgelagerten Ladestraße östlich des jetzigen "Kernbereichs" des Bahnhofs um das Zentralstellwerk. Daher musste auch nur die Plusstellung (gerader Strang) per Zungenriegel verriegelt werden (Zugfahrten! In der Minusstellung nur Rangierfahrten!).
Vom Stellwerk aus bedient waren in Zittau Süd übrigens immer nur die beiden jetzt noch vorhandenen Weichen 4 und 14!
Der Fall geriegelter ortsgestellter Weichen war/ist übrigens im ehemaligen K&K-Gebiet nicht unüblich. Die Wärter auf den beiden Bahnhofsköpfen stellen dann nur die Weichen vor Ort. Der Fahrdienstleiter in Bahnhofsmitte (Empfangsgebäude) verriegelt die Weichen und stellt so die Signalabhängigkeit her.
Um es noch verwirrender zu machen: Im ehemaligen K&K-Gebiet haben fernbediente Weichen tatsächlich bewegliche Hebel mit Stellgewichten, die sich beim Umlegen der Weiche mitbewegen. Daher sollte man immer etwas Sicherheitsabstand beim Vorbeilaufen einplanen, damit man das Gewicht nicht in die Beine geknallt bekommt...

Um zur Ausgangsfrage von iwii zurückzukommen: Ob es das in ganz frühen deutschen Stellwerksbauarten auch gab, kann ich leider nicht beantworten.
Ich hoffe, ausreichend zur angemessenen Steigerung der Verwirrung beigetragen zu haben...
Viele Grüße, HoTTe