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Stadthäuser/Gebäude in der Stadt - Fragen und Antworten

Danke, es geht doch nichts über eine Fachmeinung.

Der Vollwärmeschutz ist ein guter Aspekt und erklärt manche Wand, die oben wieder schmal ist wie auf dem Bild am Bahnbogen. Ich weiß jetzt wenigstens, warum ich was wie anbauen muss, damit eine Giebelwand auch plausibel ausschaut. An das Auhagen Stadteckhaus muss ich somit auch nochmal Hand anlegen.
 
Schornsteine wurden eher selten bis gar nicht an Außenwänden errichtet. Klar, die alten konnten besser rechnen als so mancher heutige Architekt, aber die wussten auch, dass Schornsteine Wärme abstrahlten und diese sollte möglichst im Haus bleiben...

Dann hatten die alten Briten von so was keine Ahnung? :fasziniert:
Auf den Inseln findet man die Zūge an städtischen Bauten aus viktorianischer Zeit oft an den Giebeln :wiejetzt:

Oder wie beispielsweise hier: http://www.rgbstock.de/cache1zyzbx/users/m/mi/micromoth/300/pnvxu62.jpg
 
Ich habe auf die schnelle mit meinem Handy ein paar Bilder gemacht.

Das erste Bild zeigt eine Giebelwand, die von vornherein als alleinstehende Wand geplant wurde. Die Wand hat Lisenen zur vertikalen Ordnung erhalten. Die Schornsteine stehen übrigens an der Außenwand.

Das zweite Bild zeigt Reste einer Giebelwand, die beim zweigeschossigen Wiederaufbau stehen geblieben sind, um die Stabilität des Nachbargebäudes nicht zu gefährden.

Das dritte Bild zeigt ebenfalls eine Giebelwand, an der deutlich die Reste des Nachbargebäudes zu sehen sind, welches im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Das vierte Bild zeigt eine Brandmauer, die ursprünglich mit einem Gründerzeitgebäude errichtet wurde, später aber in den Neubau integriert wurde.


So unüblich war es anscheinend nicht Schornsteine an den Giebelwänden vorzusehen.
 

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Um noch mal auf die Notwendigkeit zu kommen. Diese Häuser sind ja recht hohe Ziegelbauten ohne Stahlgerüst oder Stahlbetongerüst um die statische Stabilität aufzunehmen. Schon das Mauerwerk selbst bringt einige Drucklasten, das Dach hat auch ein enormes Gewicht. Diese Versteifungen dienen schlicht dazu, dass das Haus nicht "auseinanderplatzt". Denn Ziegelmauerwerk kann solche Kräfte nur bedingt abfangen. Nicht um sonst haben die großen Kirchenbauten die bekannte Rippenstruktur. Das ist hier im Prinzip das Gleiche.
 
Hallo Grischan,
Kirchen sind innen auch hohl. Da ist das auf jeden Fall erfoderlich.
Bei Wohngebäuden existieren auch im Inneren tragende Wände. Konstruktiv werden Lasten dann in die stabilen Bauteile geleitet.
Also kann eine Außenwand auch nur als "Hülle" dienen.
Gruß Klötze
 
Nicht um sonst haben die großen Kirchenbauten die bekannte Rippenstruktur. Das ist hier im Prinzip das Gleiche.

Nicht ganz. Die Lisenen an den gezeigten Bildern dienen (in der Regel) der Austeifung der Wand, in dem sie in diese eingebunden sind. Man kann das mit den Sicken oder aufgesetzten Winkeln beim Blech vergleichen. Die Wand soll steifer werden, damit sie nicht knickt. Ein Doppel-T ist senkrecht belastet auch steifer als ein Massivstab. Die Standsicherheit des Gebäudes an sich wird durch Längs- und Querwände sowie die Decken erreicht. Damit die Decken kraftschlüssig eingebunden sind und als Scheibe pro Geschoss die Wände in ihrer Knicklänge reduzieren, erhalten sie die von Harka beschriebenen Anker. Die müssen aber nicht immer auf der Fassade sichtbar sein, die können auch eingebunden sein. Da es ohnehin Mittelwände gibt, ist es meist einfacher, diese durch die Giebelwand durchzubinden und außen die Lisenen zu setzen. Von oben wirkt das dann wie ein Kreuz.

Zu den Kirchen: Die Pfeiler, die so markant das Äußere gliedern (können) dienen bei Vorhandensein von gewölbten Decken in erster Linie der Aufnahme der Schubkräfte daraus. Die starke horizontale Komponente dieser Kräfte kann durch die Mauern nicht durch Biegewiderstand aufgefangen werden und muss nach unten umgelenkt werden, und das geschieht durch die reine Masse der Pfeiler. Die Resultierende muss innerhalb der Pfeiler bleiben, deshalb werden sie oft unten dicker und tiefer. Als gewichtgebendes Sahnehäubchen können dann oben noch Türmchen (Fialen) draufsitzen. Natürlich stabilisieren die Pfeiler auch die Wand in Länge und Höhe. Es gibt ja auch Kirchen mit Pfeilern, die nie ein Gewölbe hatten.
 
Ziegelmauerwerk kann eine ganze Menge Druck aushalten - so ein bischen Wohnhaus bringt doch kaum Lasten.
Wie kommst du da drauf? Nicht nur das Gebäude als solches muss viel an Gewicht aushalten. Überlege mal, was ein Dach wiegt oder noch besser: stelle es dir mit einem Meter Schnee drauf vor. Dazu denke an die dynamischen Lasten, welche durch ständige Erschütterungen entstehen. Warum sind an viel befahrenen Ortsdurchfahrten alle alten Häuser gerissen, vom Keller bis zum Giebel?
Denkt mal an die alten Kirchen, oder an die Göltzschtalbrücke
Als die Göltzschtalbrücke gebaut wurde, war die Belastbarkeit einer Ziegelkonstruktion dieser Größe noch völlig unbekannt. Das beweist allein der Fakt, dass diese Brücke viel zu solide und zu teuer ausgeführt wurde. Als man im Laufe der Bauarbeiten an dieser Brücke erkennen musste, dass man im Tal keinen festen Grund in vertretbare Tiefe würden finden können, erst da kam man auf die Idee, die Spannweite des mittleren Bogens zu verdoppeln. Man hätte diese Bauform auch bei den übrigen Bögen anwenden können und hätte sich somit jeden zweiten Pfeiler und Unmassen an Ziegel gespart. Die Göltzschtalbrücke kopiert lediglich die Bauweise römischer Aquädukte und somit eine Bauweise, die 2000 Jahre alt war. Mit der Brücke erreichte man also nicht weiter als das Niveau der alten Römer. So beeindruckend das Bauwerk sein mag, aber zeigemäße Brücken waren aus Stahl.
Im Jahr, in dem die Göltzschtalbrücke vollendet wurde, eröffnete Robert Stephenson bei Bangor in Wales die Britannia-Eisenbahnbrücke und drei Jahrer früher die baugleiche Brücke in Conwy. Diese Röhrenbrücken aus Stahl hatten Hauptspannweiten von bis zu 140 m. Das übertraf die Backsteinbrücke um das vierfache, kosteten aber nur einen Bruchteil. Zudem war die Britannia-Brücke nicht im Inland angebracht, sie überbrückte einen tosenden Meeresarm.
Nur vier Jahre später wurden mit der 250 m weit gespannten doppelstöckigen Hängebrücke für Eisenbahn und Straßenverkehr über den Niagara ganz neue Maßstäbe gesetzt. Das war moderne Architektur, die noch gar lange brauchte, um in Sachsen anzukommen.

Die romanischen Kirchen sind ähnlich solide ausgeführt. Gothische Kirchen hingegen leiten geschickt den Druck, der auf den Mauern lastet, nach unten um. Besuch mal Erfurt, dann erkläre ich es dir am Dom. Die daneben stehende Severinkirche ist dagegen noch romanisch (ok, war die Übergangszeit).

@gruber
Ein Baustil endet nicht mit einer Jahreszahl, er endet, wenn der letzte Baumeister etwas anderes baut. Manche Stile kamen in manchen Gegenden halt etwas später an. Die Römer bauten zwischen 98 bis 105 n. Chr. eine Steinbrücke in Alcántara, die Mauren zerstörten auf ihrem Rückzug aus Spanien einen der kleineren Bögen der Brücke im Jahre 1213 - trotz Vorlage in Form der erhaltenen Bögen dauerte es 330 Jahre bis ein Christ dazu in der Lage war, diesen Bogen wieder zu schließen. Erst 1543 war man wieder dazu in Lage eine Brücke zu reparieren, die anderhalb Jahrtausende vorher von den Römern gebaut wurde und man musste nicht mal die Hauptspannweiten erneuern. Als 1707 erneut ein Bogen in einem Krieg zerstört wurde, brauchte es wieder 70 Jahre, bis das jemand reparieren konnte. In der Architektur kann Wissen auch verloren gehen oder regional erst später ankommen. Als die Franzosen längst gothische Kathedralen bauten, begann im Osten gerade erst der Siegeszug der romanischen Backsteinkirchen.
 
@Harka: Die Epoche des Klassizismus war 1880 auch in Dresden vorbei. Da gibt es kein rumlamentieren. Außerdem implementiert deine Aussage, dass die Dresdner anscheinend hinten dran und sich Neuerungen in Dresden später durchsetzen. Eine gewagte Aussage.
 
Moin Harka,
Vom Bauwesen hast du sicher mal gehört oder gelesen.

Ich mach da schon länger mit, wenn auch weniger im Mauerwerksbau. Aber hin- und wieder muss sich auch der Stahlbauer auf eine Mauer stützen.

Baustile sind mir eigentlich egal, dafür gibt es Architekten.
Wenn Du Glück hast, versteht er seine Kunst. Ansonsten gilt: Ärzte können ihre Opfer begraben. Architekten empfehlen Efeu.

Wäre für solch kahle Giebel auch keine schlechte Idee.
Insekten (fast) aller Arten würden es gerade jetzt, wenn der Efeu blüht, danken.

Grüße Ralf
 
Wie kommst du da drauf?
Ist so. Steine, Ziegel, Beton (kein Stahl!) kann viel Druck, aber nur wenig Zug/Scherung aushalten.
Deshalb wurden früher die Bauwerke so massiv gebaut, dass z.B. der Wind selbst bei voller Kraft im Mauerwerk nur den Druck verringerte, nicht aber Zug entstand.
Und jetzt kommen die o.a. Zuganker dazu. Die können zum Einen direkt Zug aufnehmen, zum Anderen können die so unter Zug gesetzt werden, dass das Mauerwerk schon eine Grund-Druck-Last erhält. (Siehe auch Spannbeton, wenn dort auch für einen anderen Zweck).

Erst Stahlbeton kann Zug aufnehmen, aber auch da nur der Stahlkern. Oder halt gleich ein Stahlskelett nehmen.
 
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