Hab mal im Archiv gekramt
Im Januar hab ich von meinem Stiefvater einen Parteiauftrag erhalten:
Er hatte zwei Lok's von Piko, die aber seit Jahrzehnten nicht mehr fuhren. Sämtliche seiner Modelle stammen aus den späten 1950er oder frühen 60er Jahren und werden mit Gleichspannung auf Dreileitergleis gefahren.
Weil meine beiden jüngsten Neffen aber sehr gern mit den alten Modellen spielen, bat er mich, mir sie doch mal anzusehen und sie nach Möglichkeit wieder fahrtauglich zu machen.
Gesagt getan - hat ja nur drei Monate gedauert die Dinger aufzuschrauben weil richtige Freizeit bei uns grad nur im Duden rumsteht.
Unter einer E44 kam ein Allstrommotor ans Tageslicht. Spannung lag an den richtigen Stellen an, aber er brummte nur. Vermutlich hatte der Selengleichrichter das Zeitliche gesegnet und wurde deswegen gegen eine 0815-Siliziumbrücke aus der Grabbelkiste getauscht. Da der Motor rund 800mA zieht, hab ich eine für 1,5A Dauerstrom verwendet.
Auf's Gleis gesetzt - Lok fährt wieder!
Bei dem D-Kuppler war die Angelegenheit etwas diffiziler weil die Stromabnahme von den Rädern und der Sicherungsring für die Schneckenwelle auf der Motorachse fehlte. In einer Fahrtrichtung schob es die Schnecke bei zu großer Belastung von der Rotorwelle des Motors.
Um die Stromversorgung wieder herzustellen hab ich kurzerhand zwei Stücken Federstahldraht auf die ersten beiden Räder gebogen und die letzten beiden Räder auf der linken Seite mit dem zweiten Anschluss des Motors verbunden.
Ein paar Tropfen Öl in die Lager, in Ermangelung eines Sicherungsringes ein Stück Kupferlitze in die Nut der Motorwelle gelegt, den Draht verdrillt und verlötet damit er nicht herunter rutschen kann,
Auf's Gleis gesetzt - Lok fährt und der Motor schnurrt!
Die beiden oben erwähnten Bälger standen vor einiger Zeit mit allergrößter Faszination vor meiner Tilligschen P8 im grünen Farbkleid. Die stellte ich ihnen ausnahmsweise mal auf ihren selbst aufgebauten Testkreis und die Augen wurden bei der Fahrt des Modells immer größer - die beiden waren schlicht und ergreifend sprachlos als sie auf das sich bewegende Gestänge der Lok starrten.
Als ich am Dienstag zufällig bei Michas Bahnhof in Berlin im Laden stand, kam mir das wieder in den Sinn und nach dem Wechsel von etwas buntem Papier stand eine alte P8 aus dem Hause Märklin bei mir auf dem Tisch. Die musste aber noch umgebaut werden.
Das Umschaltrelais der Feldspule wurde rausgeschmissen und gegen einen Brückengleichrichter ersetzt.
Auf's Gleis gesetzt - Lok fährt jetzt mit Gleichspannung!
Alle Modelle benötigen eine sehr hohe Anfahrspannung. Dafür sind sie aber äußerst gemächlich unterwegs was bei heutigen Modellen eher anders herum anzutreffen ist.
Bei der ganzen Bastelei fiel mir die Robustheit der Modelle auf. Die E44 ist mir sogar vom Schreibtisch gefallen und es ist bis auf leicht verbogene Stromabnehmernachbildungen nichts passiert.
Mach das mal mit aktuellen Modellen - da kriegste Schreikrämpfe!
Es handelt sich um spitzenmäßiges Spielzeug für Kinderhände und verzichtet auf jeglichen Schnickschnack. Trotzdem kann man die Detailierung als gut bezeichnen, der Wiedererkennungswert der Modelle ist hoch und dabei wird klar, dass es also nicht immer alles mit Wischbewegeungen, Geblinke, Rumgetatsche, Rumgepiepse und optisch aufwändigen Grafiken, geschweige denn filigransten Detailnachbildungen versehen werden muss um Kinder begeistern zu können.
Einfache Sachen scheinen die Fantasie mehr anzusprechen.
Sofern mein Kurzer später Interesse zeigen sollte, bekommt er auch sowas in die Hände gedrückt.
Vorher muss er aber erstmal stubenrein werden.