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Fotosafari Prezidentský Vlak – der Präsidentenzug

von eisersdorf · 30. September 2018 · ·
Fotos und Informatonen vom Präsidentenzug anlässlich 100 Jahre Tschechische (Tschechoslowakische) Republik bei seinem Aufenthalt im Depot Chomutov.
  1. Prezidentský Vlak – der Präsidentenzug

    DSC_0582.jpg


    Ich hatte Gelegenheit, den Präsidentenzug anlässlich 100 Jahre Tschechische (Tschechoslowakische) Republik bei seinem Aufenthalt im Depot Chomutov zu besuchen und fand diesen Besuch so lohnenswert, dass ich hier Fotos und Informationen „breittreten“ möchte.


    Hinweis: Dieser Eintrag ist ziemlich lang. Wer nur die Bilder betrachten möchte, springt am Besten gleich in das Medienalbum hier im Board.
    Noch ein Hinweis: Ich benutzte wegen der Enge im Zug ein Fisheye-Objektiv und musste wegen der Lichtverhältnisse gegen das Licht fotografieren. Somit sind viele Bilder verzerrt und stark verrauscht.


    Warum ein „Prezidentský Vlak“ und warum 2018?

    Die Unabhängigkeit und Ausrufung der eigenen Staatlichkeit 1918 ist für Tschechen und Slowaken eine Schicksalsfrage. Somit haben im Jubiläumsjahr die tschechischen (ČZ) und slowakischen Bahnen (ŽSR) mit Museen (u.a. das Technische Nationalmuseum, NTM) zusammen die denkbar charmanteste Art einer Wanderausstellung organisiert: Originale Wagen der Präsidentenzüge der tschechslowakischen Zeit. Dieser Zug fuhr mit historischen Lokomotiven seit Juni durch Tschechien und die Slowakei und endete in Prag.


    Die Reihung des Präsidentenzugs
    • Zuglok ist eine historische Dampflokomotive
    • Wagen 1: historischer Wagen „Masaryk“, Baujahr 1930
    • Wagen 2: historischer Wagen „Ferdinand d‘Este“, Baujahr 1909
    • Wagen 3: der eigentliche Wagen mit der Ausstellung, ein Personenenwagen aus der Zwischenkriegszeit
    • Wagen 4: „Svoboda“, Baujahr 1968, ein mittlerweile ebenfalls historischer Wagen zu Ostblockzeiten vom VEB Waggonbau Bautzen
    • Wagen 5 bis 7: Begleitwagen für das Museums- und Lokomotivpersonal
    • Schlusslok ist eine Diesellokomotive zur Unterstützung – eine T 478.1 „Bardotka“ (heutige BR 751) mit historischen Schildern.
    Die Wagen 5 bis 7 waren natürlich nicht Teil der Ausstellung. Zu sehen sind auf der folgenden Aufnahme zwei der drei Begleiterwagen (vom Waggonbau Bautzen), zusammen mit der Schlusslok Bardotka neben einem der beiden Ringlokschuppen des Depots Chomutov:

    Das Gelände des NTM-Museums in Chomutov mit Schlusslok „Bardotka“ und zwei der Begleitwagen.



    Die Lokomotiven


    Beginnen wir den „Rundgang“ mit den Lokomotiven. Als Zug- und Dampflokomotive kamen für den Präsidentenzug zum Einsatz:
    Abgelichtet habe ich in Chomutov 475 1142 (eine „Šlechtična“). Bilder aus der Slowakei zeigen 486 007 („Anton“).
    Leider stand die Lok in Chomutov zwischen Gebäuden und Zaun nicht gerade günstig…

    Bilder der Šlechtična:


    Als Unterstützung ist eine T 478 „Bardotka“ vorgesehen. Abgelichtet habe ich in Chomutov T 478 1010. Bilder aus der Slowakei zeigen auch T 478 2011.

    Bilder der Bardotka:


    Wagen 1 „Masaryk“

    Dieser Wagen wurde im Jahr 1930 anlässlich des 80. Geburtstags von Präsident Tomáš G. Masaryk in den Ringhoffer-Werken Prag gebaut. Der Wagen war bis 1968 zuletzt als Wagen für die Leibwächter der Präsidenten im Einsatz. Der Wagen befindet sich im Besitz der ČD.

    Auf dem CD-Cover vom „Album of the Year“ (1997) von Faith No More ist Präsident Masaryk am Fenster seines Wagens abgebildet. Hier ein Bild des Covers in der Wikipedia:

    Bild :
    Außenaufnahme des Wagens Masaryk – hier beginnt der „Rundgang“ durch den Präsidentenzug.


    Der Salon, auf dem Namensschild (auf dem Tisch rechts) steht der Name des heutigen slowakischen Präsidenten Andrej Kiska.


    Das Apartment des Präsidenten.


    Ein Blick in den Salon von der anderen Seite.


    Übergang von Wagen „Masaryk“ (rechts) auf den nächsten Wagen „Ferdinand d´Este“ (links).



    Wagen 2 „Ferdinand d´Este“

    Das ist ein österreichischer Wagen Baujahr 1909(!), der der neu gegründeten tschechoslowakischen Republik überlassen wurde. Ausgestattet wurde der Wagen ebenfalls in den Ringhoffer-Werken.

    Es ist angekündigt worden, dass dieser Wagen nach seinem Jubiläumseinsatz aufgrund seines Alters nie wieder bewegt werden wird – aber Museumsbesuchern (wohl im entstehenden NTM-Museum Prag) zugänglich bleiben soll.

    Blick in Gang und Abteile.

    Blick in ein Abteil.

    Blick in ein Abteil der Damen.

    Das Abteil Franz Ferdinands und womöglich später das des tschechoslowakischen Präsidenten.

    Der Salon – mit Bild der österreichischen Kaiserfamilie.


    Wagen 3 – Ausstellung

    Dies ist der Wagen zur eigentlichen Ausstellung zum Präsidentenzug. Jedes der ersten drei Abteile im Ausstellungswagen steht für einen bestimmten Zeitabschnitt mit Informationen, Bildern und Filmaufnahmen, zusammen mit chronologisch geordneten Porträts der jeweiligen Präsidenten.

    In der Mitte dieser Abteile befindet sich eine Vitrine mit gegenständliche Zeugen des zeitgenössischen Stils – Aschenbecher, Gläser, oder auch eine Dienstmütze… Dazu kommt jeweils ein Modell der jeweiligen Zuglokomotive – es könnte sich um Spur I, M 1:32 handeln.



    Wagen 3 – Ausstellung – Abteil 1

    In diesem Abeil finden sich Informationen zu diesem Präsidentenzug und Bilder aus der Zeit der Präsidenten Masaryk und Hácha.

    Da es hier um den Präsidentenzug geht, gibt es jetzt ein bißchen Historie zu den Präsidenten der ersten und zweiten tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1945):

    Tomáš G. Masaryk, Philiosoph aus armen Verhältnissen, überzeugte während des 1. Weltkriegs die Alliierten von der Idee des tschechoslowakischen Staats, welcher 1918 auch ausgerufen wurde. Der Mensch Masaryk selbst erscheint in der Rückblende als überaus integrativ bemühter, weitsichtiger Politiker in schwierigen Zeiten. Dass er von Anfang Zugang zu bester Bildung und höchsten politischen Kreisen erhielt, erklärt sich gerüchteweise damit, dass er ein uneheliches Kind des österreichischen Kaisers war, was nie zweifelsfrei geklärt wurde. Bereits zu Zeiten des Ersten Weltkriegs war seine „rechte Hand“ ein „gewisser“ Dr. Edvard Beneš, der im jungen Staat erst Außenminister und 1935 Präsident wurde.

    Als 1938 Frankreich und Großbritannien die Appeasement-Politik betrieben, trat Beneš zurück und Emil Hácha wurde Präsident. Die Okkupation der tschechoslowakischen Republik konnte er nicht aufhalten und blieb unter deutscher Ägide Präsident des „Protektorats Böhmen und Mähren“. Das Kriegsende erlebte er schwer erkrankt noch knapp. Der slowakische Teil der Republik wurde ebenfalls unter deutscher Aufsicht unter Präsident Jozef Tiso geführt, der nach dem Zweiten Weltkrieg exekutiert wurde. Beneš dagegen ging noch 1938 nach London und baute dort eine tschechoslowakische Exilregierung auf. Er war enttäuscht von der britischen und französischen Appeasement-Politik und eruierte Möglichkeiten, mit Moskau zusammenzuarbeiten. Wir haben also während des Zweiten Weltkriegs die absurde Situation dreier „tschechoslowakischen Präsidenten“, von denen Beneš allein von den siegreichen Alliierten anerkannt wurde.


    Aufnahme des gesamten Abteils.

    Tomáš Masaryk, Präsident der ersten tschechoslowakischen Republik.

    Fotoleiste auf der linken Seite.

    Zuglok 464.0 Ušatá

    Emil Hácha, Präsident der zweiten Republik und Präsident des „Protektorats Böhmen und Mähren“.

    Fotoleiste auf der rechten Seite


    Zuglok 464.0 Ušatá als Modell und zeitgenössischen Accessoires.

    Edvard Beneš, rechte Hand Masaryks und Präsident der tschechoslowakischen Republik ab 1935 und Präsident der Regierung im Exil.


    Wagen 3 – Ausstellung – Abteil 2

    Im zweiten Abteil geht es hauptsächlich um die Rückkehr im Präsidentenzug von Edvard Beneš in die nach Ende des Zweiten Weltkriegs befreite Tschechoslowakei. Die folgende Zeit als sozialistischer Staat wird lediglich angerissen.

    Nocheinmal etwas präsidentielle Historie:

    Beneš hatte sich unter den Schutz der Sowjetunion begeben und kehrte von London über Moskau und Košice (Slowakei) als Präsident der „nationalen Front (zusammen mit den Sozialisten)“ nach Prag zurück. Es folgte die besonders hierzulande gut bekannte Vertreibung der deutschen (aber auch ungarischen) Bevölkerung, basierend auf den zusammen mit der Regierung erarbeiteten Beneš-Dekreten. Beneš selbst wünschte keine weitergehende engere Bindung des Landes zur Sowjetunion, wurde aber von den Sozialisten während des „Februarputsches“ stark unter Druck gesetzt und trat 1948 zurück. Im selben Jahr wurde die Tschechoslowakei zur ČSSR und Klement Gottwald neuer Präsident.

    Fakt am Rande: Der Sohn des ehemaligen Präsidenten Tomáš Masaryk, Jan Masaryk, bekleidete in der Ära Beneš und zunächst unter Klement Gottwald das Amt des Außenministers. Er überlebte zur Zeit des „Februarputsches“ ein Attentat, starb aber kurz darauf beim „dritten Prager Fenstersturz“.


    Aufnahme des gesamten Abteils.

    Zuglok, es könnte eine 486.1 sein, Schilder waren auf dem Modell nicht erkennbar.


    Fotoleiste auf der linken Seite.


    Klement Gottwald, erster Präsident der sozialistischen Ära.

    Vitrine mit Utensilien aus der Zeit und Zuglok – womöglich eine 486.1.


    Wagen 3 – Ausstellung — Abteil 3

    Das dritte Abteil bebildert in Szenen die Zeit des Ostblocks und den Wendeumschwung.

    Wieder etwas Historie:
    Zur Zeit des „Prager Frühlings“ hieß der Präsident Ludvík Svoboda (merken wir uns den Namen für den folgenden Wagen des Zuges.) Svoboda nahm zum „Prager Frühling“ eine moderierende Haltung ein, verlor aber nach und nach Einfluss gegen den moskautreuen Politiker Gustav Husák, welcher Svoboda 1975 ablöste. Husák war letzte Präsident der sozialistischen Zeit und der erste (und wahrscheinlich ebenfalls letzte) slowakische Präsident auf der Prager Burg. 1989 war er gezwungen, im Zuge des Umsturzes nicht nur eine neue Regierung zu vereidigen (mit dem späteren Präsidenten Václav Klaus und dem Außenminister mit dem schönen Namen Jiří Dienstbier), sondern auch seinen Platz für Nachfolger Václav Havel zu räumen. Václav Havel konnte in den „Nach-Wendewirren“ die gesamte Staatlichkeit nicht erhalten und war letztlich Präsident dreier Staaten: der ČSSR, ab 1990 der föderal organisierten ČSFR und der Tschechischen Republik ab 1993.


    Aufnahme des gesamten Abteils.

    Zuglokomotiven 477.0 „Papoušek“ und T 499 „Kyklop“.

    Fotoleiste auf der rechten Seite.

    Václav Havel, nacheinander Präsident der ČSSR, der ČSFR und der dritten tschechischen Republik.

    Zuglokomotive 477.0 „Papoušek“ einzeln, einzig mögliche Aufnahme ohne massive Reflexionen.

    Zuglokomotive T 499 „Kyklop“ einzeln.

    Gustav Husák, letzter Präsident der sozialistischen Ära und erster slowakischer Präsident der ČSSR.


    Wagen 3 – Ausstellung – Abteile 4 und 5

    Das vierte Abteil wurde zum „Kino“ umgestaltet. Da ich außer „Pivo. Velky?“ kaum Tschechisch verstehe, kann ich zu den Inhalten leider nichts wiedergeben.

    Das fünfte Abteil bietet einen Ausblick auf das künftige NTM-Eisenbahnmuseum in Prag, welches im Heizhaus des „Bahnhof Masaryk“ in Prag (Praha Masarykovo nádraží) entstehen soll. Das Museum wäre sehr zentral gelegen, ein möglicher Eröffnungstermin wird leider nicht einmal vage genannt.


    Filmabteil.

    Abteil „Muzeum“: Aufnahme des gesamten Abteils, das sich mit dem neuen Museum beschäftigt.

    Abteil „Muzeum“: Angedachte Außenansicht des neuen Museums.

    Abteil „Muzeum“: Rendering einer Innenaufnahme des neuen Museums.


    Wagen 4 – „Svoboda“

    Dieser Wagen wurde 1968 vom VEB Waggonbau Bautzen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der tschechoslowakischen Republik gebaut und erstmals von Präsident Ludvík Svoboda genutzt. Der Wagen ist im Besitz des NTM und hat originales Interieur! Wir verlassen nun die Opulenz der Präsidentenwagen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und tauchen ein in sozialistische Funktionalität und Chic:


    Die einzig mögliche Aufnahme von außen.

    Abteil für die Leibwächter.

    Der Salon.

    Das Sekretariat.

    Die sanitären Anlagen.


    Die Präsidenten„suite“.

    Hier nächtigte nicht der Präsident, sondern die Leibwächter.

    Sogar der präsidentielle Lokus konnte „bestaunt“ werden.


    Damit wären wir am Ende des „Prezidentský Vlak“ angelangt.

    Aktueller tschechischer Präsident ist übrigens Miloš Zeman (zweite Amtszeit bis 2023) und der erste Präident, der direkt von der tschechischen Bevölkerung gewählt wurde.

    Aktueller slowakischer Präsident ist seit dem Jahr 2014 Andrej Kiska, der erste Präsident, der nichts mit der sozialistischen Partei zu tun hatte.


    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Ich darf mich mit einem Bild aus dem direkt benachbarten Depot Chomutov mit T 435 001 verabschieden:

    T 435 001 im Depot Chomutov.


    Quellen im Netz:

    Über den Autor

    eisersdorf
    Als begeisteter Tschechienreisender habe ich nun auch die Fahrzeuge der
    ex-ČSD und CD sehr liebgewonnen.
    Janosch, Uwe.Lü, R.P. und 19 anderen gefällt das.

Kommentare

  1. TT18375
    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bildbericht.
    :fasziniert:
      eisersdorf gefällt das.
  2. Bigfoot
    Ein sehr detailierter Beitrag, den lese ich in den Ferien mal gründlich durch. Wird ja sicher ein weilchen dauern.
      eisersdorf gefällt das.
  3. ahhro
    Sehr informativer Bericht, es hat Spaß gemacht, ihn zu lesen.
      eisersdorf gefällt das.
  4. Pollin
    Toller ausführlicher und sehr informativer Bericht.

    MfG
      eisersdorf gefällt das.
  5. Johannes
    DU hast Dir sehr viele Mühe mit dem Präsidentenzug gemacht. Für den Leser ist das sehr informativ.
    Was ist die Quelle für die Information bzgl. der Nutzung durch Svoboda und dem Anlaß-dem 50 jährigen Bestehen der tschechoslowakischen Republik ?

    Johannes
  6. eisersdorf
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